Unsere spezialisierte Sammlung präsentiert Schuhe aus der Vorgeschichte bis in die vorindustrielle Zeit. Es handelt sich ausschliesslich um archäologisch belegte Objekte. Die Nachbildungen sind das Resultat intensiver Forschung und Studie originaler Fragmente von Schuhen und andersartigen Lederobjekten.

Hinter dem Museum versteckt sich die 1993 gegründete Fachstelle für archäologische und historische Leder GENTLE CRAFT. Ihre Hauptaufgabe ist die zeitübergreifenden Studie, Analyse und Erhaltung archäologischer Lederfunde. Dabei handelt es sich grösstenteils um Schuhe weshalb diese Disziplin der archäologischen Hilfswissenschaften Calceologie benannt wird (lat. Calcei = Schuhe).

Die Entstehung einer Rekonstruktion

Vergleichbar mit forensischen Methoden der wissenschaftlichen Polizei geht es darum, einen Vorgang oder eine Situation anhand gesicherten Spuren und Hinweise wiederzugeben. Es handelt sich um die Entschlüsselung der in teilweise zerstörten Rückstände des Objekts enthaltenen Informationen.

Die Untersuchung beginnt bei der Reinigung der Fragmente. Heikle Zusammenhänge die eine noch so schonende Reinigung nicht überstehen könnten werden sofort erkannt und dokumentarisch gesichert. Jedes Fragment wird nach einer etablierten Norm einzeln aufgezeichnet.

Die Teile des Zusammensetzspiels werden aus einem Kopiesatz der Erstaufzeichnungen herausgeschnitten. Mit Hilfe dreidimensionaler Papiermodelle sucht nach zusammen passenden Teilen und ermittelt fehlende Partien.

Rekonstruktionen werden nur mit damals verfügbaren Mittel hergestellt. Anders ausgedrückt um einen römischen Schuh nachzubauen braucht man römisches Werkzeug.

Der Nachbau trägt zum Verständnis der Herstellungweisen eines Objekts.

Die Kryptologie eines Schuhs

Das Objekt gilt als Informationsträger. Die Kunst des Calceologen ist solche Informationen zu entziffern. Die Rekonstruktion ist nicht das eigentliche Ziel sondern nur ein Mittel zur Erlangung der Kenntnisse. Nachdem die Geheimnisse der Herstellung gelüftet sind bleiben noch Fragen über die Gebrauchsweise und Abnutzungserscheinungen. Fragestellung zur Nutzung klärt man durch Versuche im Gelände.

Manche Rekonstruktionen werden in härtesten Bedingungen unter verschiedensten Wetter- und Geländebedingungen getestet. Dabei entstandene Abnützungen können wiederum mit jenen der Originale verglichen werden.

 

Da es sich bei Schuhen um sehr persönliche Gegenstände handelt kommt es vor das deren Träger seine Spuren darin hinterlassen hat wie Beispielsweise der hier gezeigte Abdruck eines kranken Fusses des 16. Jahrhunderts.

Damals wie heute unterliegt der Schuh einem ständigen modischen und stilistischen Wandel. Die Calceologie ermöglicht Anachronismen zu umgehen wie dieses Beispiel  römischer Legionäre in Doc Martens®  und Nike® Schuhen.